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Ja, was soll ich jetzt schreiben? Wie soll ich es schreiben? Mein Baby, mein Theochen, mein Wutzemännchen ist nicht mehr da. Geboren auf Lichtmess, gestorben zur Wintersonnenwende.
Was ist passiert? Das fragen mich alle, denen ich es erzähle. Und so möchte ich es hier noch einmal aufschreiben, für alle diejenigen, denen ich es noch nicht erzählt habe. Vorab: Theo ging es nachdem er seine schwere Grippe Ende November überwunden hatte, so richtig gut. Er war total gut drauf. Hat so richtig gut gegessen und wurde im ganzen stabiler. Das Laufen ging besser. Er freute sich jedes Mal, wenn ich ihn vom Kindergarten abholte. Er freute sich auf die Musikschule und wenn er Fernsehen gucken durfte. Krrrch: der Löwe, der Löwe, der Löwe ist los. Worte kamen deutlicher und auch mehr. Er dachte sich eigene Gesten aus und hielt sich die Nase zu wenn er jetzt gerade gepupst hatte. Ich hatte schon Hoffnung, dass wir, wenn wir ihn im Sommer mal ohne Windeln laufen lassen konnten ein Stück Richtung Sauberkeitserziehung gehen konnten. Und wie gesagt: laufen ging auch immer besser. Alles ging besser. Wie oft hat er in der letzten Zeit am Tisch in der Küche gesessen und mit seinem Cassettenrecorder gespielt. Kinderlieder. Das Mikro an dem Mund und im Takt mitgemacht. Das Heft mit den Weihnachtsliedern vor sich und die „Noten gelesen“. Und nach jedem Stück wurde erst applaudiert und dann drückte er auf den roten Rec.-Knopf bis das nächste Lied anfing. Bilder malen und das Buch Die Funkelfeder lesen. Seine Instrumente rauskramen und Musik machen. So vieles ging in der letzten Zeit. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatte er schlimme Bauchschmerzen und nach 3 Tagen ohne Stuhlgang, hatte ich Angst dass er einen Darmverschluss haben könnte. (Warum, so fragt man sich...) Doch auch hier versuchte ich mich erst einmal zu beruhigen und ihm einen Bauchwickel mit Thymianöl zu machen. Der half auch anfänglich, doch dann wurde es wohl wieder schlimmer und ich machte ihm dann um halb 4 Uhr einen Einlauf. Das funktionierte und daraufhin schlief er ruhig und ohne Bauchschmerzen ein. Mittwoch Morgen war er wieder fit und munter und ging in den Kindergarten. Donnerstag und Freitag ging es ihm prächtig. Er hat gut gegessen und war richtig gut gelaunt. Am Freitag vor seinem Tod hatte er noch seinen großen Auftritt als süßestes Schäfchen beim Krippenspiel des Kindergartens. Eine voll besetzte Kirche und Theo geht von der „Bühne“ durch das Publikum: grüßend und Händchen gebend, wie er halt so war Und alle haben ihn geliebt. Freitag Abend dann als sein Vater ihn abholte hat er sich so doll gefreut, so doll hatte er sich noch nie gefreut. Und als sein Vater ihn auf dem Arm hatte, wollte er unbedingt mich auch noch mit in den Arm nehmen. Nach dem Anziehen habe ich ihn dann noch einmal zum Abschied geknuddelt. Da habe ich ihn das letzte Mal auf dem Arm gehabt. Als ich sein Bettchen machte und eine Decke darüber legte waren meine Gedanken: „Ob das wohl das letzte Mal ist, dass ich sein Bettchen mache?“ Und dann sofort der Gedanke: „Bitte lieber Gott bring ihn mir heil und gesund wieder.“ Jeden Tag seines Lebens hatte ich Angst, dass er sterben könne. Jedes Mal wenn er zu seinem Vater ging hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass ich ihm diese Situation zumute. Wo er doch so gerne uns alle drei zusammen hatte. Und jedes Mal hatte ich Angst, dass ich ihn nicht heil zurück bekomme. Sonntag Abend rief ich wegen irgendwelcher Belange bei meinem Exmann an. Ich hörte ein schlimmes Röcheln im Hintergrund und mein erster Gedanke war: „Das ist nicht ok. Das hört sich an als wenn er Wasser in der Lunge hätte.“ Simon beruhigte mich: er wäre jetzt durch meinen Anruf wach geworden und dann würde er ja halt immer so röcheln. Er erzählte, dass Theo in der Nacht von Samstag auf Sonntag Bauchweh gehabt und erbrochen hätte und es ihm aber über den Tag etwas besser ginge und er die angebotenen Getränke immer länger bei sich behalten würde. Ein für Theo völlig normales Verhalten. Trotzdem war ich erschüttert und flehte meinen Mann regelrecht an ihn mir zu bringen, weil ein krankes Kind zu seiner Mutter gehöre. Aber er blieb, wie immer stur und meinte, dass er damit schon allein zurecht käme. Es wäre ja nicht das erste Mal. Und tatsächlich hatte Theo in der letzten Zeit öfter Brechdurchfall, wenn er bei seinem Vater war. Er sagte, dass er mir eine sms schickt falls es schlechter würde. Ich beruhigte mich wieder und guckte den ganzen Abend Fernsehen. Aber dann um 22:30 hielt ich es nicht mehr aus: ich rief nochmals bei ihm an. Und er erklärte mir, dass Theo nicht mehr gebrochen hätte, er jetzt schliefe und ich ihn fast wieder durch meinen Anruf geweckt hätte. Ich legte auf und war absolut gar nicht beruhigt. Ich schickte Stoßgebete gen Himmel: „Bitte lieber Gott, lass es nicht zu, dass Theo etwas zustößt. Bring ihn mir wieder.“ Ich nahm mir fest vor am nächsten Morgen meiner neuen Bekanntschaft zu erklären, dass ich keine Zeit für ihn habe. Ich wollte dann zu meinem Exmann fahren und mich um Theo kümmern. Auch meine Teilnahme an einer Ruhr2010 Aktion wollte ich absagen. Ich war nahe einem Zusammenbruch, heulte und weinte und betete inständig. Und dann war auf einmal Ruhe. Wie eine Woge kam eine warme Ruhe über mich und ich dachte: „Jetzt ist es geschehen. Wenn Theo tatsächlich sterben sollte, dann hat das einen Sinn und dann bin ich nicht in der Lage es aufzuhalten.“ Mit diesen beruhigenden Gedanken konnte ich schließlich tatsächlich ins Bett gehen und einschlafen! Am nächsten Morgen kam meine neue Bekanntschaft und ich war überhaupt nicht bei der Sache. Wartete auf einen Anruf, war fahrig und konnte mich auch nicht darauf konzentrieren, das zu sagen was ich mir vorgenommen hatte. Da kam eine sms: 9:43Uhr: „
Für Simon wirkt es wie eine Ohnmacht. Er ruft mich an. Ruft den Notarzt und leitet Wiederbelebungsmaßnahmen ein. Kämpft um Theos Leben. Aber da war er schon tot. Simon tut mir entsetzlich leid. Was für eine Qual. Was für eine Qual. Die Ursache? Wir wissen es nicht. Der Staatsanwalt hat eine Obduktion nicht beantragt. Aber ich vermute es gibt nur 2 Möglichkeiten:
Je mehr ich darüber lese desto wahrscheinlicher wird es. Theo hatte wirklich ein paar Mal zu oft hier gerufen. Manchmal ärgere ich mich über meine Neugierde und die Möglichkeiten des Internets. Warum ist da eigentlich keiner drauf gekommen? Das hätte man doch von einer Down-Syndrom-Ambulanz erwartet oder? Dann wäre es auf eine OP mehr auch nicht angekommen. Wenn man damit all seine Ess-, Schluck-, Verwertungsstörungen seine dauernden Brechanfälle und Bauchschmerzen und letztlich seinen Tod verhindert hätte. Wenn ich darüber nachdenke, dass diese dauernden Einläufe vielleicht gar nicht nötig gewesen wären. Bereits 1 Monat nach der Geburt waren die Gedeihstörungen ja ersichtlich. Theo hat dauernd erbrochen. Er war ein "Speikind" Speikinder sind Gedeihkinder. HA! Erst recht in Köln hätte man doch drauf kommen können. Warum gibt es denn keinen wirklichen Spezialisten für das Down-Syndrom? Und da ist sie wieder diese Hilflosigkeit. Warum hilft mir denn keiner? Keiner der sich wirklich auskennt. Keiner der alle Möglichkeiten in Betracht zieht.
Was mache ich eigentlich hier? Warum suche ich nach einer Ursache? Warum versuche ich einen Verantwortlichen zu finden? Noch mehr Operationen? Noch mehr Untersuchungen unter Narkose? Denke nur daran dass MIR Theo fehlt. Warum kann ich nicht einfach akzeptieren, dass Theos Zeit abgelaufen war? Loslassen. Er war als Engel geboren, hatte eine bestimmte Zeit und eine bestimmte Aufgabe. Und er ist als völlig erleuchtetes Engelwesen gestorben. An seinem Lieblingsort, bei seinem geliebten Papa. Schnell ohne Schmerz, plötzlich. Er hat sich genauso aus meinem Leben geschlichen wie er sich in mein Leben eingeschlichen hatte. So wie sein Wesen war: Still und leise. Alles hat seine Zeit und alles hat seinen Sinn. Gottes Energie strebt nach dem Gleichgewicht, ist immer in Bewegung. Theos göttliche Energie ist jetzt in Jesus aufgegangen. Ist im Himmel
Ist im Paradies Ist Licht. |
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